Island 2011 – Teil 3

Mittlerweile bin ich ja wieder zuhause, will aber natürlich noch ein wenig mehr von der Reise nach Island berichten.

Mittwoch

An diesem Tag stand die Walbeobachtungsfahrt auf dem Programm. Während der gut eine Stunde dauernden Fahrt von Akureyri nach Húsavík entschied sich die Reiseleiterin dazu, einen etwas früheren Termin für die Bootsfahrt zu wählen als ursprünglich geplant – was sich im Nachhinein als klug erweisen sollte.
In Húsavík haben wir uns zunächst das Walmuseum angesehen bevor wir die Anti-Kotz-Pillen einwarfen (also entweder haben die nicht viel geholfen oder es wäre ohne sie noch übler gewesen) und das Boot bestiegen. Dort bekam jeder noch einen gefütterten Overall – bei Temperaturen die selbst an Land nur im unteren einstelligen Bereich lagen sicherlich eine gute Idee. Dann ging es raus in die Bucht vor Húsavík und die mehr als 3 Stunden dauernde Beobachtungsfahrt nahm ihren Lauf. Wirkte das Meer anfangs noch relativ ruhig, wurde es später dann doch etwas ruppiger. Und es hilft dem eigenen Magen nicht wirklich, wenn man sieht wie eine andere Person zwischendurch die Fische füttert.
Fotografisch ist so eine Fahrt übrigens eine ziemliche Herausforderung. Ich hatte nur das 70-200 mm f/2.8 mit, und nachdem sich das bei den ersten brauchbaren Sichtungen als zu wenig erwies hab ich noch den 1,4x Extender drangeschraubt. Es ist nicht gerade einfach, mit 280 mm Brennweite auf einem stark schaukelnden Boot etwas vor die Linse zu bekommen und dann auch noch im Fokus zu behalten (von den Auswirkungen auf den Magen mal ganz zu schweigen). Von daher sind die meisten Vogelbilder dann hinterher auch in den Papierkorb gewandert.
Mit den Walen lief es etwas besser, zumindest wenn man das Glück hatte auf der richtigen Seite des Bootes zu stehen. Der Wellengang und die doch recht hohe Anzahl Personen an Bord machten einen schnellen Seitenwechsel nämlich nahezu unmöglich. Und schnell muss man schon sein, wenn man einen Wal erwischen will. Mehr als ein paar Sekunden hat man da nicht bevor er wieder abtaucht.
Auf dem Weg zurück in den Hafen hielt das Boot nochmal kurz an und es wurden Gebäck und heiße Schokolade gereicht. Der Zuspruch hielt sich irgendwie in Grenzen. Da ich eh einen schönen Platz an der Reling hatte, hab ich einfach mal zugegriffen. Erstaunlicherweise ging es mir danach aber deutlich besser als vorher. Hätten die das nicht gleich am Anfang machen können?
Nachdem wir dann wieder an Land waren hatte irgendwie keiner mehr Lust auf eine Besichtingung von Húsavík selbst. Also fuhren wir mit dem Bus zurück nach Akureyri. Unterwegs konnten wir noch einen Blick auf die Bucht hinaus werfen, wo sich einige Regenwolken entluden und die See noch unruhiger wurde.

Die halbe Gruppe stieg gleich unten in Akureyri aus um vor dem Abendessen noch ein wenig durch das Städtchen zu laufen. Der Rest wurde von Siggi, unserem Busfahrer, oben auf dem Hügel am Hotel abgesetzt. Und weil der Siggi so ein netter Kerl ist bot er an, uns später wieder in die Stadt runter zu fahren.
Eugen: “Das klingt gut, da fahr ich mit.”
Die beiden Hamburger: “Wir gehen zu Fuss!”
Spricht für sich, denke ich (und die beiden haben mir den kausalen Zusammenhang auch tags drauf bestätigt). So hatte Siggi später nur vier Fahrgäste: Eugen, ein Pärchen aus Zwickau und ich. Beim Aussteigen habe ich Eugen, der sich schon wieder an mich hängen wollte, wissen lassen, dass ich mir erst noch ein wenig Akureyri ansehen wollte (“Alleine?”“Ja!!!”) – womit ihn die Zwickauer am Hals hatten. Sorry ihr zwei, aber ihr musstet euch wenigstens nur seine normalen Geschichten anhören. Mir hätten wahrscheinlich weitere Kommentare oder gutgemeinte Ratschläge in Bezug auf Franziska und Thomas bevorgestanden (“Kuck mal, Deine Konkurrenz ist schneller!” :roll: ).

Donnerstag

Man wird morgens wach und fragt sich, was denn da an die Scheibe klatscht. Ah ja, Schneeregen. Im Juni. Laut unserer Reiseleiterin eher ungewöhnliches Wetter, normalerweise ist es selbst in Island um diese Jahreszeit merklich wärmer und auch viele der Berge, die sich uns noch mit Schneebedeckung präsentieren, sollten eigentlich längst schneefrei sein. Wie wir später erfuhren war an diesem Tag auch die Strecke durchs Hochland, welche wir zwei Tage vorher befahren hatten, wegen Schneefall gesperrt worden.
Wir verliessen Akureyri Richtung Nordwesten zur Umrundung der Tröllaskagi, der Troll-Halbinsel. Da die Gebirgsstrecke ab Ólafsfjörður dieses Jahr erst ein einziges Mal geräumt worden war und eine Fahrt dort entlang sowohl Siggi als auch unserer Reiseleiterin als zu gefährlich erschien, nahmen wir stattdessen den Tunnel nach Siglufjörður – was dazu beitrug, dass wir mit insgesamt 7 Tunneln einen neuen Reiserekord für unsere Reiseleiterin aufstellten – und fuhren von dort wieder nach Süden. Es dauerte einige Zeit bis wir nicht nur das schlechte Wetter hinter uns liessen sondern auch mit Glaumbær den ersten Besuchspunkt des Tages erreichten. Der Grassodenhof des Museums Glaumbær gewährt Einblicke in die Art, wie man früher in Island gelebt hat. Nach einer Stärkung am Buffet des Museums besuchten wir dann noch kurz die Grassodenkirche in Víðimýri. Anschliessend war wieder stundenlange Busfahrt angesagt.
Eigentlich sollten wir in einem Hotel in Stykkishólmur übernachten, das hatte sich aber an einer Konferenz übernommen und war voll. Daher haben wir uns das Örtchen nur ein wenig angesehen. Die neue Unterkunft lag etwas weiter westlich in Grundarfjörður.

Während Eugen sich mittags an Gesine geheftet hatte, hat es mich dann beim Abendessen mal wieder voll erwischt. Schon auf dem Weg zum Essen traf ich auf ihn, und im Speisesaal waren nur noch an zwei Tischen freie Plätze vorhanden – und zwar jeweils zwei :? . Ich hab mich dann für den Tisch mit den Hamburgern entschieden, und Eugen hat natürlich prompt den anderen freien Platz an dem Tisch eingenommen. Es war aber im Nachhinein doch ganz lustig, denn Herbert hatte sich eine gute Anti-Eugen-Strategie zurechtgelegt: ihn nicht zu Wort kommen lassen. Hat Eugen irgendwie gar nicht gefallen, dass er einem konstanten hamburgerischen Redeschwall ausgesetzt war.

~ von xelonir am 13. Juni 2011.

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